Die Kirche Markranstädt
Die St. Laurentiuskirche ist eine einschiffige spätgotische Hallenkirche, die auf den Mauern eines älteren Vorgängerbaus in den Jahren 1518 bis 1525 errichtet wurde. Der Turm wurde von seinem romanischen Vorgängerbau übernommen und steht außerhalb der Längsachse des Gebäudes. Die an der Via regia liegende Kirche war in Kriegszeiten u.a. als Pferdestall und Lazarett zweckentfremdet. 1871 wurde die gesamte Kirche durch Baumeister Altendorff einer neugotischen Restaurierung unterzogen und im Jahre 1900 erhielt die Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild. Im Inneren schmückt die Kirche ein Altartisch aus Weißenfelser Sandstein, der aus der Zeit der Reformation stammt. 1568 wurde der Altar mit einem Gemäldetryptichon mit Predella versehen. Dieses zeigt die Einsetzung des Heiligen Abendmahls, das Motiv "Christus in Gethsemanae", die Kreuzigung und die Auferstehung Christi. Bemerkenswert ist auch das barocke Lesepult mit Taufbecken aus der Werkstatt des Bildhauers Caspar Friedrich Löbelt (um 1745). Die Orgel stammt aus der Werkstatt des Bornaer Orgelbaumeisters Urban Kreutzbach. Sie wurde im Jahre 1886 eingebaut. Die Kirche wurde zwischen 1998 und 2008 einschließlich Orgel und Altartryptichon vollständig saniert.
An fast jedem Sonntag finden Gottesdienste um 10.30 Uhr statt. In jedem Gottesdienst – außer zu Familiengottesdiensten – wird parallel ein Kindergottesdienst angeboten. Der Kindergottesdienst findet in der Regel im Turmzimmer statt, das mit dem Kirchenschiff verbunden ist.
Das Tauflesepult
1745 wurde das jetzt noch vorhandene Tauflesepult aus Holz angeschafft. Es ist eine sehr schöne barocke Arbeit und wurde vom berühmten Leipziger Bildhauer Caspar Friedrich Löbelt (1687-1763) gefertigt und von dem bekannten Maler Johann Samuel Weinigel (1722 -1745) aus Leipzig bemalt und vergoldet. Das Pult ist dreieckig aufgebaut. Auf zwei Seiten befinden sich jeweils gemalte Bibelsprüche (Mk 10,16 und Mk 16,16) und auf der dritten Seite sind die Namen der damaligen Spenderinnen und die Jahreszahl 1745 zu sehen. Den Abschluss der Seiten bildet eine Fläche mit einer Aussparung für ein flaches Taufbecken in Tellerform. Der zugehörige Taufteller aus Zinn ist noch vorhanden und hat die Inschrift: „Kirche zu Markranstädt 1744“. Die Taufe trägt als Deckel das Lesepult. 2011 wurde das Tauf- und Lesepult vom Dipl.-Restaurator Peter Jung aus Weimar restauriert. Dabei wurden fehlende Teile ergänzt und die Erstfassung wiederhergestellt.
Die Kanzel
Bei der Innenrenovierung im Jahre 1871 wurde die alte Kanzel abgebaut und durch die jetzt vorhandene ersetzt. Sie wurde nach dem Entwurf des Architekten Hugo Altendorff puristisch und schlicht aus Eichenholz gefertigt.
Die Orgel
Ursprünge und frühe Vorgänger
- Vor 1520: Eine erste Orgel unbekannter Bauart existiert in der alten Kirche.
- 1618: Einbau einer neuen Orgel durch den Orgelbauer Compenius.
- 1806–1813: Die ohnehin defekte Orgel wird durch militärische Nutzung der Kirche komplett zerstört.
- 1828/29: Reparatur und Versetzung der Compenius-Orgel auf die verbreiterte Westempore.
Der Kreutzbach-Neubau (1886)
- Urheberschaft: Richard Kreutzbach baut die Orgel 1886. In der Literatur wird sie oft fälschlich seinem Vater Urban zugeschrieben, da Richard mit dem Firmennamen des Vaters unterschrieb.
- Eigenschaften: Romantisches Klangbild, 24 Register, teils pneumatische und teils mechanische Trakturen.
- Optische Änderung (1899/1900): Der Orgelprospekt erhält eine neogotische Gestaltung und einen schwarzbraunen Ölanstrich.
Kriegsverluste und Umbau (1917–1925)
- 1917: Beschlagnahmung und Ausbau von 45 Zinnpfeifen des Prospekts für Kriegszwecke.
- 1925 (Firma Jehmlich): Großer Umbau mit neuer Pfeifenanordnung zur Platzoptimierung. Die Luftzufuhr wird elektrifiziert und die Zinnpfeifen werden durch billigere Zinkpfeifen ersetzt.
Klangveränderung durch die Orgelbewegung (1955–1963)
- Klangumbau: Die Firma Lahmann verändert das romantische Klangbild radikal in Richtung Neobarock.
- Auswirkung: Durch den Austausch von fünf Registern kommt es zu klanglichen und technischen Einbußen, die aus Geldmangel über Jahrzehnte bestehen bleiben.
Restaurierung und Rückbau (ab 2006)
- 2006/2007 (Firma Voigt): Umfassende Restaurierung und Rückbau auf den Originalzustand von 1886. Die fünf neobarocken Register werden historisch ersetzt, neue Zinnpfeifen eingebaut und der dunkle Gehäuseanstrich entfernt.
- 2019 (Firma Vleugels): Nachintonation und Umarbeitung eines Registers für zusätzliche Klangmöglichkeiten.
Die Fenster mit Glasmalereien
Beim Umbau unserer Kirche in den Jahren 1899 /1900 wurden die Chorfenster vergrößert und die mittleren drei mit neogotischen Glasmalereien versehen. Sie wurden von der Kunstwerkstätte für Glasmalerei & Kunstglaserei Richard Schlein aus Zittau geschaffen. Die zweibahnigen fünfzeiligen Maßwerkfenster zeigen jeweils eine Bildszene in einem Architekturtabernakel und im unteren Bereich ein Teppichmuster. Sie sind mit Dekorelementen verbunden in Form von Fialen und Krabbenbesatz. Es ist eine detailreiche Glasmalerei auf farbigem Glas unter Verwendung von Schwarzlot und Silbergelb. Im linken Fenster ist Christus bei den Emmaus Jüngern dargestellt. Das mittlere zeigt die Segnung der Kinder durch Christus vor einer Landschaft. Im rechten Fenster ist Christus bei Maria und Martha dargestellt. Unter den Bildern sind die jeweils zugehörigen Bibelstellen genannt. Die Chorfenster zeigen ganz unten an der Fensterbank auf Bändern die Namen der Stifter. Die Fenster wurden 2005 - 2006 von der Fa. Glaserei Gärlich GmbH aus Leipzig restauriert, dabei neu verbleit und außen mit einer Schutzverglasung versehen.
Auch das Nordfenster auf der Ilse-Rothe-Empore über der Sakristei bekam 1900 eine Glasmalerei der o.g. Kunstwerkstätte Richard Schlein. Es zeigt in der Mitte die Darstellung des hl. Paulus in Form eines Wappenschildes in Ätztechnik, mit rosa Blüten an Blattranken umgeben und durch Streifen und einem Fries umrandet. Auf einem Schriftband steht: Wo der Herr nicht die Stadt behütet; so wachet der Wächter umsonst.
Die Glocken
Die Glockengeschichte der St. Laurentiuskirche reicht bis vor das Jahr 1520 zurück, als die alte Kirche bereits drei bis vier Glocken besaß, darunter eine Saigerglocke für den Uhrstundenschlag. Im Jahr 1885 stifteten lokale Unternehmer ein neues Geläut der Leipziger Gießerei Jauck, dass im Zuge einer Turmerhöhung im Jahr 1900 in einen Glockenstuhl aus Winkelstahl umgehängt wurde. In den beiden Weltkriegen (1917 und 1941) wurden die jeweils größten Glocken für Rüstungszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen. Ein zwischenzeitlich im Jahr 1922 installiertes Bronzegeläut ging dadurch wieder verloren, während die letzte verbliebene kleine Glocke dieses Ensembles 1993 an die Partnergemeinde Klecken verschenkt wurde.
Seit 1952 läutet das heutige, dreiteilige Geläut aus Eisenhartguss (Klangstahl) von Schilling & Lattermann, das 1999 mit einer automatischen Steuerung versehen wurde. Nach jahrzehntelanger Nutzung stand eine umfangreiche Restaurierung an. Im Zuge der Arbeiten installierte eine sächsische Spezialzimmerei die 38 vormontierten Einzelteile der neuen Konstruktion direkt im Kirchturm. Wie in den historischen Plänen vorgesehen, ersetzte das Team den verschlissenen Stahlglockenstuhl von 1900 durch eine traditionelle, schwingungsdämpfende Konstruktion aus robustem Eichenholz.
Die vormontierten Balken brachten eine Gesamtlast von rund 2,5 Tonnen auf die Waage und mussten per Spezialkran in eine Höhe von etwa 23 Metern gehoben werden. Dank einer millimetergenauen Vorfertigung in der Werkhalle dauerte die eigentliche Montage im Turm nur etwas mehr als einen Tag. Neben dem hölzernen Glockenstuhl wurden auch die Glockenarmaturen und die Joche vollständig erneuert.
Die Kirchturmuhr
Im Jahr 1922 wurde die mechanische Uhrenanlage durch die Fa. Zachariä Leipzig erneuert und ist seitdem in Betrieb. Das Uhrwerk steht geschützt im Uhrenhaus des Turms. Es besteht aus drei Werken, die durch Gewichte angetrieben werden. In der Mitte befindet sich die mechanische Pendeluhr mit Grahamhemmung für die Zeitanzeige. Diese Pendeluhr ist mit zwei Schlagwerken verbunden, die von ihr gesteuert werden. Das hintere Schlagwerk realisiert den Viertelstundenschlag und das vordere Schlagwerk realisiert den Stundenschlag jeweils über eine Schlossscheibe. Beide Schlagwerke sind über ihre Walzen mit einem Hammerwerk an den Glocken verbunden, die dort die Zeit anschlagen. Zur besseren Ganggenauigkeit ist die Uhr mit einer Minutensprungmechanik ausgerüstet, die die Uhr von den klimatischen Bedingungen der Zeigeranlage zu den Zifferblättern entkoppelt und nur aller Minuten die Zeit über die Zeigerleitung stellt. Dadurch wird eine bessere Ganggenauigkeit erreicht. Die Uhrenanlage wurde ca. 1950 mit einem elektrischen Aufzug der Gewichte ausgestattet, der aller 6 Stunden, gesteuert von der Walze des Stundenschlages, ausgelöst wird. Zur besseren Ganggenauigkeit der Uhrenanlage bei unterschiedlichen Temperaturen wurde noch eine elektromagnetische Pendelsynchronisation angebaut. Nun zeigt unsere Turmuhr, auch als technisches Denkmal, immer die Zeit minutengenau!
Der Christusweg
Der Christusweg erzählt auf zwölf Medaillons mit Reliefbildern Begebenheiten über Jesus Christus aus der Bibel. Dieser Christusweg beginnt in der Kirche von Miltitz mit der Darstellung des Abendmahles mit seinen Jüngern. Die weiteren Medaillons zeigen verschiedene Begegnungen mit Christus und seine Kreuzigung in den Kirchen von Lausen, Kulkwitz und Quesitz. In unserer Kirche werden als Abschluss des Christusweges drei Medaillons mit den Darstellungen über das Treffen des auferstandenen Christus mit Maria Magdalena, sowie mit den Jüngern aus Emmaus und der wiederkommende Christus dargestellt.
Der Christusweg ist ein Geschenk der Heiland-Kirchgemeinde Bad Godesberg. Die Medaillons wurden vom Bekumer Künstler Heinrich-Gerhard Bücker (1922 - 2008), Bildhauer, Maler und Kalligraph, geschaffen.
Die alte Kirche von Markranstädt
Die alte Kirche von Markranstädt war ein massiver romanischer Bau, der während der Errichtung des neuen Chorraums und der Sakristei noch bis Ende 1520 für Gottesdienste genutzt wurde. Da historische Dokumente durch zahlreiche Stadtbrände vernichtet wurden, lässt sich die Gestalt der Kirche heute nur über lückenhafte Rechnungen, die Chronik von Pfarrer Weißbach und bauliche Spuren wie eine Aufmaßzeichnung von 1899 rekonstruieren. Demnach bildete das Kirchenschiff ein längliches Viereck ohne separaten Altarplatz mit einer Länge von etwa 12 Metern und einer Breite von 9,50 Metern, deren Spannweite durch die damals verfügbaren Hölzer der Umgebung begrenzt war. Trotz einer stattlichen Traufhöhe von 11 Metern kam das dicke Gemäuer ohne stützende Wandpfeiler aus. Der direkt mit dem Schiff verbundene, massive Turm besaß eine Grundfläche von rund 7 mal 7,5 Metern, eine Höhe von 15 Metern und schloss sehr wahrscheinlich mit einem einfachen Walmdach ab. Im Laufe der Jahrhunderte war das Bauwerk verschiedenen Kriegen ausgesetzt, darunter dem Hussitensturm von 1430, blieb jedoch aufgrund des schützenden Abstands zum umliegenden Friedhof von den meisten Stadtbränden verschont.
Über die Innenausstattung ist zwar wenig bekannt, allerdings wurden einige wertvolle Elemente in den Nachfolgebau übernommen. Hierzu gehörten vermutlich vier Glocken aus der Zeit vor 1370 – darunter eine Saigerglocke für den Stundenschlag –, deren einstige Schalllöcher noch heute am Turm erkennbar sind. Gesteuert wurde der Schlag von einer einfachen, vermutlich vom örtlichen Schmied gefertigten Turmuhr, deren einziges Zifferblatt mit nur einem Stundenzeiger nach Westen zu den Feldern zeigte. Zudem besaß die Kirche bereits eine Orgel unbekannter Bauart, die 1520 für den Umbau demontiert und 1525 in der neuen Kirche wieder errichtet wurde. Aus dem Spätmittelalter haben sich darüber hinaus drei beschädigte, aus Laubholz geschnitzte Figuren erhalten, die einst zu den Altären gehörten. Ein weiteres Relikt ist eine große Eisentruhe, der sogenannte „Gotteskasten“, die dank ihrer mittelalterlichen Schließtechnik mit selbsttätig einschnappenden Fallenschlössern eindeutig der Zeit vor 1520 zugeordnet werden kann und damals zur sicheren Aufbewahrung von Geld, Büchern und liturgischen Geräten in der alten Sakristei diente.
Die Bauliche Umgestaltung der „alten Kirche“ zur spätgotischen Hallenkirche ab 1516 und deren Erhaltung bis 1871
Durch das starke Bevölkerungswachstum im 13. und 14. Jahrhundert sowie den Zuzug aus den eingepfarrten Dörfern Göhrenz und Albersdorf wurde die bestehende Kirche in Markranstädt zu klein für eine geregelte Nutzung. Um das Gotteshaus zu erweitern, begannen vermutlich ab 1516/17 die Vorbereitungen und Bauarbeiten für eine spätgotische Hallenkirche. Die Planung war dabei sehr durchdacht: Der neue Chorraum wurde östlich vor die bestehende Kirche gesetzt, sodass bestimmte Gebäudeteile und der Turm des alten Baus direkt weiterverwendet werden konnten. Wer die Planung ausführte oder welche Bauhütten an der spätgotischen Gestaltung beteiligt waren, ist heute unbekannt.
Aus erhaltenen Kirchenrechnungen der Jahre 1518 und 1519 geht jedoch hervor, dass die alte Kirche während der Bauzeit des neuen Chorraumes parallel weitergenutzt wurde, da die Ausgaben akribisch nach altem und neuem Gebäude getrennt abgerechnet wurden. Die Dokumente aus der Hauptbauphase zwischen 1518 und 1525 belegen regen Materialnachschub, darunter Steine aus Weißenfels, Ziegel aus Leipzig, Holz für den Dachstuhl sowie Kalk aus Merseburg, und erwähnen zudem die Bezahlung eines Steinmetzes aus Pegau.
Während der Hochphase des Bauwesens hinterließen die Handwerker an den Steinen, Bauteilen und Maßwerken ihre individuellen Steinmetzzeichen. Diese Signaturen dienten der Qualitätskontrolle und der genauen Zuordnung für die spätere Entlohnung. In der Markranstädter Kirche überwiegt dabei ein bestimmtes, mit „ι“ bezeichnetes Zeichen. Diese spezifische Markierung lässt sich unter anderem auch am Merseburger Dom sowie in den Kirchen von Dölzig und Rötha nachweisen, was auf überregionale Verbindungen der damals tätigen Handwerker hindeutet. In dieser spätgotischen Gestalt blieb die Kirche über Jahrhunderte hinweg bis zum Jahr 1871 erhalten.
Die Umgestaltung der Kirche von 1899 / 1900
Nach einem rasanten Aufschwung durch den Eisenbahnanschluss 1856 stieg die Einwohnerzahl Markranstädts bis 1895 auf über 5.000 Menschen. Um das Stadtbild dieser prosperierenden Gemeinde aufzuwerten, beschlossen Stadtrat und Kirchgemeinde eine umfassende Modernisierung der St. Laurentiuskirche. Unter der Leitung des Leipziger Architekten Julius Zeißig wurde die Kirche in den Jahren 1899 und 1900 aufwendig umgebaut. Dabei trug man den alten Turm teilweise ab und mauerte ihn achteckig und deutlich höher auf 53 Meter neu auf. Der Turm erhielt unter anderem eine schlanke Spitze, eine neue Uhren- und Glockenanlage sowie neue Zugänge. Zudem wurden außen ein neuer Treppenturm angebaut, Eingangshäuschen als Windfang vorgesetzt und das gesamte Feldsteingemäuer der Kirche nach 380 Jahren erstmals verputzt. Durch diesen Umbau erhielt die Kirche ihr heutiges, das Stadtbild prägende Erscheinungsbild.
Auch im Innenraum kam es zu tiefgreifenden Veränderungen: Die oberen Seitenemporen wurden entfernt, das Gestühl komplett erneuert und die Wände mit einer zwei Meter hohen Holzvertäfelung versehen. Im Chorraum wurden die Fenster verlängert und mit Glasmalereien ausgestattet, während das historische Sakramentshäuschen in das Kirchenschiff versetzt wurde. Dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend prägte eine sehr dunkle Farbgebung den Raum. Die Gewölbedecke wurde zwar himmelblau mit goldenen Sternen bemalt, doch das gesamte Holzwerk – einschließlich Gestühl, Emporen, Kanzel und Orgel – erhielt einen schwarzbraunen Ölfarbenanstrich. Diese dunkle Innengestaltung blieb über ein Jahrhundert lang bestehen, bis in den Jahren 2005 und 2006 im Zuge einer Gesamtrestaurierung eine umfassende Aufhellung des Innenraums realisiert wurde.
Die Holzfiguren
Die drei spätmittelalterlichen Holzfiguren könnten vor 1500 entstanden sein. Sie sind noch heute in der St. Laurentiuskirche vorhanden. Alle drei Figuren sind aus Laubholz geschnitzt und tragen noch Reste der originalen mittelalterlichen Fassung. Sie sind teilweise beschädigt, wurmstichig und haben Schwundrisse. Möglicherweise könnten die Figuren Bestandteile früherer Altaraufsätze gewesen sein. In der alten Kirche gab es sicher einen Hauptaltar und – wie damals üblich - auch Nebenaltäre.
Die Madonna
Die Madonnenfigur mit Kind in ihrer Ausführung und Größe (ca. 1,35 m) könnte als Mittelfigur eines Flügelretabels auf dem Hauptaltar gedient haben, denn die Figur ist rückwärtig ausgehöhlt. Dies ist ein deutliches Merkmal der Retabelfiguren von Flügelaltären. Die Kunsthistorikerin Dr. Iris Ritschel schreibt zu dieser Madonnenfigur:
“Gemessen an der Spärlichkeit der hier erhaltenen kunsthistorischen Bestände, wegen des hohen Alters und ihrer künstlerischen Qualität darf diese Madonnenfigur als Juwel der Stadt gelten.“
Der Diakon
Eine weitere erhaltene Schnitzfigur stellt einen Diakon dar, ca. 76 cm groß - möglicherweise St. Laurentius, der der Schutzheilige der Markranstädter Kirche ist. Er stand vielleicht allein auf einem kleinen Nebenaltar oder Podest in der alten Kirche.
St. Laurentius war ein römischer Diakon zu Zeiten des Papstes Sixtus ll. Er starb i.J. 258 n.Chr. als Märtyrer angeblich nach der Folter auf einem Feuerrost. Da der Figur die Hände fehlen, ist wahrscheinlich auch der Rost als sein Märtyrerattribut abhandengekommen. Später wurde dies durch das Anbringen einer Schriftrolle als „Attribut“ eines Diakons kaschiert. Heute steht die Figur auf der mittleren Säule des ehemaligen Sakramentshäuschens.
Christus in der Rast
Die Jesusfigur „Christus in der Rast“ ist eine in der christlichen Kunst verbreitete Darstellungsform des „Ecce homo“ ab dem 14. Jahrhundert. Die Figur ist ca. 80 cm hoch und die dritte, der noch vorhandenen Schnitzfiguren. Zu ihrem Ursprung und früheren Verwendung können keine Aussagen gemacht werden.
Der Altar
Der Altar der Kirche in Markranstädt blickt auf eine facettenreiche, mehr als 500-jährige Geschichte zurück, die eng mit den religiösen Umbrüchen der Region verknüpft ist. Seine Ursprünge liegen im Jahr 1520, als unmittelbar nach der Fertigstellung des kirchlichen Chorraums der ursprüngliche Altartisch errichtet wurde. Dieser bestand aus Weißenfelser Steinen, war schlicht gestaltet, besaß noch keinen Aufsatz und wurde mit einem weißen Anstrich versehen. Nachdem sich im Jahr 1544 unter der Leitung von Pastor Albrich die Reformation in Markranstädt endgültig durchgesetzt hatte, veränderte sich auch der Anspruch an die sakrale Ausstattung. 24 Jahre nach diesem Glaubenswechsel, im Jahr 1568, erhielt der steinerne Tisch schließlich seinen bis heute erhaltenen Altaraufsatz in Form eines hölzernen Flügelretabels mit gerahmten Gemäldetafeln. Interessanterweise war die Aufstellung solcher Flügelretabel zu diesem späten Zeitpunkt historisch eigentlich gar nicht mehr üblich. Der genaue Maler oder die verantwortliche Werkstatt hinter diesem Kunstwerk sind bis heute unbekannt geblieben.
Das Retabel zeichnet sich durch eine theologische und bauliche Besonderheit aus: Es besitzt lediglich ein einziges Flügelpaar. Daraus ergibt sich, dass im Kirchenjahr nur zwei verschiedene liturgische Darstellungen gezeigt werden können, je nachdem, ob die Flügelpaare geschlossen oder geöffnet sind. Im aufgeklappten Zustand offenbart sich dem Betrachter ein dreiteiliges Triptychon, das aus drei markanten Gemälden besteht. Auf dem linken Flügel ist das „Gebet am Ölberg“ zu sehen, die Mitte zeigt die „Kreuzigung“ und der rechte Flügel stellt die „Auferstehung“ dar. In ihrer inhaltlichen und gestalterischen Ausdrucksweise spiegeln diese Gemälde bereits deutlich die reformatorische Wende wider, indem sie sich bewusst von der traditionellen Heiligenverehrung abkehren und die zentralen Christusgeschichten in den Vordergrund rücken. Zugeklappt sieht man auf den Rückseiten der beiden Drehflügel des Retabels die Gemälde „Maria“ und „Der gegeißelte Jesus “. Unter dem Mittelbild befindet sich ein Sockel, die Predella, die direkt auf dem Altartisch steht und das gesamte Retabel trägt. Zu röm. - katholischer Zeit wurde die Predella oft als Reliquienschrein ausgebildet. Die Predella unseres Altars zeigt das Gemälde „Die Einsetzung des Heiligen Abendmahls“.
Im Jahr 1670 folgte eine umfassende Überarbeitung des Altars, bei der er im Geiste der Zeit durch zusätzliche Aufsätze im oberen Bereich erweitert wurde. Diese neuen Gemälde zeigten die Motive „die Himmelfahrt“, „das Sitzen zur rechten Gottes“ und als krönenden Abschluss darüber „die Herrschaft Christi über die Welt“. Eine bis heute erhaltene Inschrift auf der Rückseite des Altars erinnert an diese barocke Erweiterung sowie an die Gönner und Organisatoren, die das Vorhaben damals finanzierten und koordinierten.
Diese Pracht hielt jedoch nicht dauerhaft: Im Zuge einer großen Innenrenovierung im Jahr 1871 unter der Leitung des Architekten Altendorff wurden diese barocken Aufsätze wieder komplett zurückgebaut und entfernt. Der Altar entging damals nur knapp einer noch radikaleren Veränderung, denn Architekt Altendorff hatte im Rahmen seiner Modernisierungspläne vorgeschlagen, auch den historischen Aufsatz von 1568 vollständig zu beseitigen. Dass dieses wertvolle Stück Renaissance-Kunst bewahrt wurde, war letztlich rein finanziellen Engpässen geschuldet – die Gemeinde konnte sich die Entfernung und den Ersatz schlichtweg nicht leisten. Seit dem Jahr 1568 war der Altar zudem zahlreichen, oft sehr unterschiedlichen Restaurierungs-einflüssen ausgesetzt. Dabei wurden Gemälde teilweise übermalt, die Rahmen erhielten immer wieder neue farbige Fassungen, und durch altersbedingten Verschleiß sowie durch falsche Reinigungsmethoden in der Vergangenheit trugen die Gemälde und die Gesamtstruktur im Laufe der Jahrhunderte deutliche Schäden davon. Außerdem hatte der über die Jahrhunderte nachgedunkelte Firnis viele Bildpartien fast unkenntlich gemacht. Eine Restaurierung wurde unumgänglich. Im Herbst 2007 begannen die Restauratorinnen mit ihrer Arbeit. Da der Flügelaltar selbst in einem recht guten Zustand war, beschränkten sie sich auf eine Konservierung des vorhandenen Bestandes und die Reinigung der Bilder. Bei der Restaurierung gelang auch die Rekonstruktion der Renaissance-Fassung im Bereich der Rahmung von 1568, einschließlich Vergoldung und Silberhinterlegung der filigranen, grünen Rankenmalerei. Im Sommer 2008 konnten diese Arbeiten abgeschlossen werden.